english


Onkel Alberts geheimnisvolles Notizbuch

Rubrik: Spielgeschichten

Buch der Träume
Buch der Träume
Bild: Tivola Verlag GmbH
Seit vier Jahren gibt es nun den "Kinder Software Ratgeber", seit 48 Monaten durchforstet der Rezensent (im Selbstversuch und mit anderen) ganz wacker eine Vielzahl an Produkten und hat sich, unter uns gesagt, innerhalb dieser rund 1460 Tage (typischer Ganztagsrezensent, der kein Wochenende kennt) auch schon mächtig gelangweilt.
In diesen 35040 Stunden wurde er - selbst längst ein Plattform unabhängiges Fossil- unzählige Male gefragt, ob denn das Medium CD-ROM nicht aussterbe, ob nicht andere Angebote wie DVD, Internet oder das halbautomatische Waffeleisen die dröge, blöde CD-ROM nicht ablösen wolle. In diesen durchaus schweren 2.102.400 Minuten war dann ein zart hypochondrisch angelegtes, aber letztlich nicht auf Verständnis stoßendes Seufzen zu vernehmen. Auch der stumme Zweifel schlich sich ein: 126.144.000 Sekunden sind eine endlos lange Zeit. Wo bleibt das Neue? Die Innovation? Das Produkt, das Maßstäbe und neue Akzent setzt? Es kommt von der französischen Firma Lexxis, die nicht nur ihr ganzes Herzblut in "Onkel Albert" gelegt hat, sondern auch noch eine ganze Menge außergewöhnlicher Ideen, die gerade in ihren überraschenden Kombinationen selbst abgebrühte Rezensenten, die nach dem vorangegangen Text zu urteilen, nur auf die Uhr schauen, überzeugen. Onkel Albert ist ein typischer Spinner. Er bastelt und bosselt an neuen Erfindungen und stört sich auch nicht daran, wenn die Kinder im Dorf über ihn lachen. Er sieht wie eine Mischung aus Seebär und Janosch aus, beobachtet gerne die Natur und lädt Kinder ab 10 Jahren zu einem außergewöhnlichen Spielchen ein, das selbst unsereins nicht so schnell loslässt. Der Berliner Tivola Verlag hatte hier wohl den richtigen Riecher, denn neben der außergewöhnlichen Konzeption passt auch die grafische Gestaltung der Scheibe sehr gut zu den anderen Tivolaprodukten. "Onkel Albert" beginnt mit ein paar gut gelaunten Videos über den komischen Kauz, der einem rasch die große Schatzsuche verspricht. Zunächst glaubt der Anwender, er habe es mit "Lulu III" zu tun oder mit den anderen literarischen Verwurstungen. Dann aber wird in dem sehr künstlerisch angelegten Werk schnell klar, dass es hier nicht nur ums mit kleinen Animationen unterfütterte Umblättern geht. Die Kinder erhalten eine Kamera, sollen zunächst bestimmte Gegenstände fotografieren und die Fotos in die dafür vorgesehenen Fotoecken eines Buches fügen. Doch liegen auf den Bildern auch jede Menge Gegenstände wie Steine, Schmuckstücke oder Schnecken herum. Die Navigation ist, wie es in der Fachsprache heißt, "objektorientiert". Im Klartext: Alle Gegenstände lassen sich am Rand des Bildausschnitts ablegen, jedenfalls bis zu einer bestimmten Anzahl. Mit den Fotos verhält es sich genauso. Diese Teile können dann auf den nächsten Seiten, falls benötigt, im Bild abgelegt werden. Meist gibt es sogar kausale Zusammenhänge - ist Wasser auf der Illustration zu sehen, lässt sich die Gießkanne füllen, und die Schnecke kriecht aus ihrem Haus. Überhaupt kreucht und fleucht es: Asseln fegen quer über das Bild und fressen auch mal die eine oder andere Fotografie an, Maikäfer flattern herum, Ameisen krabbeln. Auf der Suche nach neuen Gegenständen öffnen sich geheimnisvoll inszenierte Gänge und führen zum Beispiel zu einem äußerst schwierigen Spinnenspiel: Nur wer es schafft, die Fliege unbeschadet durch ein Spinnennetz zu lenken, kommt weiter und erhält eine ominöse Statue mit funkelnden Augen. In einer anderen Abteilung sollen die Asseln braunes Packpapier fressen, um dem Spieler einen weiteren Gegenstand zu übergeben. Der muß gegen Steine kämpfen und an einer anderen Stelle Melodien nachspielen, schnell und geschickt reagieren und ganz schön knobeln, um endlich an den Schatz heranzukommen. Ein typisches Spiel, bei dem die Kids zunächst abwinken, sich aber dann kaum lösen können, weil der Suchtfaktor ganz subtil eingesetzt hat und Eltern zu der Aufforderung verleitet: "Mach doch mal den Mund zu!"

Test erfolgte mit englischer Originalversion


Fazit:
Endlich mal ein neuer Ansatz. Die vertrackten Puzzles und hintersinnigen Rätsel schlagen Kids, Jugendliche und Erwachsene sofort in ihren Bann.



ausgezeichnet
PreisNur noch gebraucht erhältlich
HerstellerTivola Verlag GmbH
PlattformPC: Pentium mit 120 MHz Taktfrequenz oder besser, 16 MB RAM, SVGA-Grafikkarte, Windows 95 bzw. Windows 98, Soundkarte, CD-ROM-Laufwerk mit vierfacher GeschwindigkeitMac: iMac oder besser, 32 MB RAM, MacOS 7.5 oder besser
ISBN3-931372-66-9
SpracheDeutsch
VeröffentlichtOktober 1999
Alterab 10 Jahren

LAST UPDATE 13.08.2010